Auf den Spuren des „Schneiders von Ulm“

Auf den Spuren des „Schneiders von Ulm“

Anlässlich des 250. Geburtstags Albrecht Ludwig Berblinger am 24. Juni 2020, eines risikofreudigen Erfinders und Schneidermeisters aus Ulm, wurde das neue Highlight Ulm’s, der Berblinger Turm, nach einer Idee des Künsterduos Brunner / Ritz an der Adlerbastei errichtet. Mit Saage Treppenbau & Biegetechnik wurde Ulm’s neues Highlight von einem hochspezialisierten Fachunternehmen umgesetzt.

Seit dem 20.05.2020 markiert der Turm unübersehbar die Absprungstelle, von der Berblinger am 31. Mai 1811 mit seinem selbst gebauten Flugapparat von einem 7 Meter hohen Gerüst einen Flugversuch wagte und in Folge fehlender Aufwinde in die Donau stürzte.

Auf Einladung von kultur.in.ulm hatten wir die tolle Gelegenheit die Skulptur, zusammen mit Raimund Ritz, schon vor der offiziellen Eröffnung zu begehen und euch darüber zu berichten.

Der Berblinger Turm ist um 10 Grad geneigt.
20 Meter ist der Turm hoch. Die Besucherplattform befindet sich auf 14 Meter Höhe.

Schon wenn man davor steht, besticht der spektakuläre Turm durch seine Höhe und die luftige Konstruktion. Der Berblinger Turm ist eine 20 Meter hohe und um 10º geneigte Spindeltreppe. Womit wir Ulmer neben dem höchsten Kirchturm der Welt nun anscheinend auch den schiefsten Turm haben – der schiefe Turm von Pisa neigt sich um knapp 4°, der bislang schiefste Turm ist laut Guinness-Buch der Rekorde ein sich um 5,19° neigender Kirchturm im ostfriesischen Suurhusen.

Die Außenkontur der Treppenstufen ist der Form des Flugapparates des “Schneiders von Ulm” nachempfunden. Bevor ich den Aufstieg der 71 Stufen wage, erkundige ich mich nach der Befestigung des Turms. Raimund Ritz vom Künstlerduo Brunner / Ritz erklärt, dass zur Befestigung des Turms im 4,5 Tonnen schweren Betonfundament 12 sogenannte Spannanker mit jeweils 650 Kilonewton Spannkraft verankert sind. Wiederum mehrere fast vier Meter lange Stahlanker sind drei Meter tief vertikal verankert und verbinden das Fundament mit der Mauer.

Stufe um Stufe mache ich mich an den Auftieg. Alles easy, denk ich mir. Doch je höher ich steige, desto mehr überkommt mich dann doch ein mulmiges Gefühl. Hält die Konstruktion aus 19,3 Tonnen Baustahl wirklich??? Auf dem Weg nach oben begleiten mich Stimmen aus 6 kleinen versteckten Lautsprechern. Sie erzählen ein Hörspiel über die spannende Geschichte des berühmten Flugpioniers. Historische und moderne Texte, Zeitungsausschnitte, Poesie, fiktive Texte und Interviewaufnahmen werden von Schauspielern, Ulmer Bürgerinnen und Bürgern sowie einer Schulklasse der Berblinger Grundschule Ulm wiedergegeben.

Panoramaaussicht

Auf dem Weg nach oben, verändern sich die Stimmen mehr und mehr. Ganz oben höre ich nur noch ein Wispern neben meinem Ohr oder ist es der Wind? „Spring! Spring doch endlich! Wir wollen dich fliegen sehen!“, säuselt es neben mir! Die 14 Meter hohe Plattform ist nichts für schwache Nerven! Der Turm schwingt im Wind! Ich halte mich am Geländer fest und versuche, irgendwie Fotos von der spektakulären Aussicht zu machen, dabei habe ich immer das Gefühl, mich festhalten zu müssen. Die ganze Konstruktion ist sehr luftig gestaltet, durch die Stufen blicke ich mühelos nach unten durch. Diese unglaubliche Höhe ist geradezu körperlich spürbar – eine Mischung aus mulmigem Gefühl in der Magengrube und Faszination.

Nächste Woche wird noch ein Schwingungsdämpfer installiert, bewegen wird sich der Turm aber immer. Soll er auch, schließlich sollen wir das Gefühl, welches der Flugpionier sicherlich vor seinem waghalsigen Sprung hatte, nachempfinden können. Mit etwas wackeligen Knien mache ich mich wieder auf den Weg nach unten und bin froh, als ich wieder festen Boden unter den Füßen habe. Ein ganz spezielles, tolles Erlebnis für das ich kultur.in.ulm und Raimund Ritz herzlich danke!

Am 24. Juni 2020 findet das Pre-Opening des Berblinger-Jubiläums statt. Um 19:30 Uhr könnt ihr euch im Autokino am Volksfestplatz Ulm den Film „Der Schneider von Ulm“ von Edgar Reitz anschauen.

Ulm’s Oberbürgermeister Gunter Czisch wird das neue Wahrzeichen Ulm’s am 25. Juni offiziell einweihen und das Jubiläum eröffnen. Freut euch auf viele spannende Programmpunkte, die das Jubiläum zu Ehren des Flugpioniers bis nächstes Jahr im Juli begleiten.

Ab dem nächsten Tag, dem 26. Juni 2020 ist der Turm dann für alle begehbar. Also nicht’s wie hin und faszinierende Momente erleben. Zum Berblinger Turm wird es auch eine App geben, die Informationen zum Leben Berblingers, dem gescheiterten Flugversuch und Wissenswertes zum Berblinger Turm vermitteln wird.

Alle Programmpunkte und weitere Informationen zum Jubiläum Berblingers findet ihr auf der offiziellen Website.

Durch die Stufen kann man durch sehen.
Am Fuße des Turms ist eine Gedenktafel in den Boden eingelassen.

In Kürze:

  • Albrecht Ludwig Berblinger, bekannt als der Schneider von Ulm, wurde am 24. Juni 1770 in Ulm geboren. Er starb im Alter von 59 Jahren am 28. Januar 1829 in Ulm.
  • Am 31. Mai 1811 wagte er einen Flugversuch über die Donau. Er wagte den Sprung von einem sieben Meter hohen Gerüst – und stürzte infolge fehlender Aufwinde in die Donau.
  • Berblingers Flugapparat ist nicht erhalten, es existieren jedoch zahlreiche zeitgenössische Holzschnitte und Zeichnungen.
  • Das Fundament des Berblingerturms besteht aus 28 m³ Beton.
  • Zusätzlich wurden 4,5 Tonnen Baustahl verarbeitet.
  • Zur Befestigung des Turmes auf dem Fundament wurden zwölf sogenannte Spannanker eingesetzt, die über einen Meter tief im Fundament einbetoniert sind und beim Aufbau mit jeweils 650 Kilonewton vorgespannt wurden
  • Der Berblingerturm ist eine um 10º geneigte Spindeltreppe. Die Außenkontur der Treppenstufen ist der Form des Flugapparates des Schneiders von Ulm nachempfunden.
  • Die Höhe des Berblingerturms beträgt bis zur Spitze 20 Meter.
  • Die Plattform des Berblingerturms befindet sich in 14 Metern Höhe.
  • Die Anzahl der Stufen bis zur Plattform beträgt 71.
  • Insgesamt gibt es am Berblingerturm 94 Stufen, 23 davon befinden sich in chaotischer Form oberhalb der Plattform, die wiederum ihrerseits aus 13 Stufen gebildet wird.
  • Ulm’s Oberbürgermeister Gunter Czisch wird das neue Wahrzeichen Ulm’s am 25. Juni offiziell einweihen

Christina Klösel
Christina Klösel

Design mit Roundhouse-Kick bekommt man bei Christina, denn sie macht seit 2011 Capoeira, eine brasilianische Kampfkunst. Genauso gut wie ihre Kicks platziert die Kommunikationsgestalterin den Fokus aufs Wesentliche, denn viel Schnick Schnack und drumherum ist bei ihr fehl am Platz. Was bei Christina aber immer einen Platz findet ist die Liebe für Designermöbel, gutes Essen und spannende Bücher. Seit Juni 2019 unterstützt die ehemalige Schwäbisch Gmünderin #sowasvonulm und fühlt sich schon jetzt sehr heimisch in ihrer neuen Heimat an der Donau. #designmitkick #typografie #fotografie #foodie #bücherwurm

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