Kocham Warszawe. Nein wirklich. Ich liebe Warschau. Seit September verbringe ich mein Auslandssemester in der dynamischen und weit unterschätzten Hauptstadt Polens. Die Hochschule Neu-Ulm schickt mich für’s Masterprogramm sechs Monate an die Uniwersytet Warszawski. Die Distanz von etwa 890 km zwischen Warschau und Ulm hält mich jedoch nicht davon ab, über unsere Münsterstadt zu schreiben.
In einem Café mit Blick auf die wunderschöne Erlöserkirche im Zentrum Warschaus schlürfe ich gerade meinen Americano mit laktosefreier Milch. “Proszę kawę americano z mlekiem bez laktozy” – der verzweifelte Versuch, meine Bestellung auf Polnisch aufzugeben, der den meisten Einheimischen aber ein kleines Lächeln ins Gesicht zaubert. Fragt die Dame hinter der Theke dann nach meiner Stempelkarte, wird es schon wieder schwierig mit der Verständigung auf Polnisch.

Wenn ich nicht gerade im Café schreibe, bin ich eine begeisterte Beobachterin: Menschen, Architektur, Kultur, Kunst, das Nachtleben. Hat man sich in der Umgebung mal eingewöhnt, fängt man so langsam an, die alte Heimat mit der neuen zu vergleichen, Unterschiede zu erkennen, aber auch, Parallelen zu entdecken. Und wer hätte das gedacht, aber von denen gibt es so einige. Und darüber erzähle ich euch jetzt.
Alt und Modern treffen aufeinander
Ich kenne wenige Städte, die trotz ihrer Kontraste zwischen Alt und Neu so wunderschön sind wie Warschau. Oder vielleicht gerade deshalb. Im südlichen Stadtzentrum ragen atemberaubende Wolkenkratzer in den Himmel. Belebte Shoppingpassagen und riesige Gebäude mit Glasfassaden zieren hier das Stadtbild. Etwa zwei Kilometer weiter wird man vom Charme der Altstadtgassen und historischen Gebäude regelrecht verzaubert. Der Unterschied könnte nicht größer sein. Kennen wir irgendwoher? Nehmen wir mal das Ulmer Viertel um den Hauptbahnhof und unser geliebtes malerisches Fischerviertel. Die könnten gegensätzlicher wohl nicht sein.


Wunderschöne Graffitikunst auf Häusern: Aber wo?
Nicht nur in Ulm gibt es eine fleißige Alternativszene. Auf der rechten Seite der Vistula befindet sich das Szeneviertel Praga, wo überall verstreut zahlreiche Graffiti-Kunstwerke auf den Häusern zu finden sind. Einige der Werke wollen Botschaften vermitteln, manche sind einfach nur entstanden, um die Häuser aufzupeppen. Nichtsdestotrotz eine Augenweide. Wagen wir einen Blick ans Roxy und in unsere Olgastraße, können wir aber doch auch ganz gut mithalten, oder?
→ Challenge für Ulm-Experten: Wo findet man diese Kunstwerke: Im Warschauer Bezirk Praga oder in Ulm?
Auflösung: Foto Nr. 1 & 3 = Warschau, Foto Nr. 2 & 4 = Ulm
Die Liebe zum Fluss
Wir Ulmer genießen unsere Spaziergänge an der Donau, Warschau trifft sich im Sommer am Ufer der Weichsel, oder auch Vistula genannt. Während wir in Deutschland das Privileg genießen, auch außerhalb von Bars und Pubs anstoßen zu dürfen, ist es den Warschauern nur am Ufer der Vistula erlaubt. Aber sowohl die Warschauer, als auch viele Ulmer wissen, dass die sommerliche Atmosphäre am eigenen Fluß eine ganz besondere ist, weshalb man sein Feierabendbierchen oder Weinchen am liebsten dort genießt.


Renommierte Universitätsstädte
Wie unser Ortsschild bereits suggeriert, sind wir eine stolze Universitätsstadt mit zahlreichen Fakultäten und sogar einer eigenen Uniklinik. Wissenschaft und Forschung sind bei uns groß geschrieben, das haben wir nicht nur Albert Einstein zu verdanken ;). Die Uniwersytet Warszawski glänzt als Hauptstadt natürlich mit noch mehr Studenten und Fakultäten. Und gut zu wissen: Beide Universitäten haben zahlreiche Partnerhochschulen überall auf der Welt. Könnte ja vielleicht mal von Nutzen sein.

Der botanische Garten – Augapfel der Uni
Sowohl die Universität Ulm als auch die Uniwersytet Warszawski hegen und pflegen ihre botanischen Gärten mit großer Sorgfalt. Die logische Konsequenz? Einwohner und Touris genießen nur zu gern Spaziergänge in den Anlagen. Bestaunen ihnen bisher unbekannte Pflanzenarten, genießen die friedliche Stille oder lassen sich einfach von der Umgebung inspirieren. Der botanische Garten am oberen Eselsberg in Ulm zählt übrigens zu den größten in ganz Deutschland. In Warschau findet man die Anlage im beliebten Łazienki-Park.


Ein Leben ohne gefüllte Teigtaschen wäre möglich, aber sinnlos
Mal ehrlich: So ziemlich jedes Land – oder in unserem Fall Ländle – hat seine eigenen gefüllten Teigtaschen. In Ulm schlemmt man im Gasthaus hausgmachte Mauldascha. In Warschau und auch dem Rest Polens findet man an jeder Ecke eine Pierogarnia, in der man köstliche Piroggen essen kann. Um alle Varianten durchzuprobieren, empfiehlt es sich, eine gemischte Version zu bestellen. Die beliebtesten Füllarten sind Ruskie (Quark, Kartoffeln und Zwiebeln), Frischkäse, Fleisch, Spinat oder Pilze. Sie werden aber auch gern süß als Nachtisch verzehrt.

Momentan keine Kommentarfunktion.